Verhindert


Honduras, Iran – Zerbricht der Westen an seiner Arroganz?
5. Juli 2009, 18:45
Einsortiert unter: Politik

Alles schien ganz normal zu laufen. Nach einer Ewigkeit der US-amerikanischen Hegemonialherrschaft über Latein- und Mittelamerika, war es vor ein paar Jahren mal wieder an der Zeit, sich um Honduras zu kümmern. Diese ständigen Bestrebungen seitens der lästigen Mestizenbevölkerung, sich zu solidarisieren und, viel schlimmer noch, Honduras in einen durch und durch kommunistischen Staat zu verwandeln, mussten gestoppt werden.

Um nun nicht länger zusehen zu müssen, wie über sieben Millionen Menschen arglistig über die wahren Hoheitsrechte, und deren Verteilung in der Welt, getäuscht werden, fanden es die USA sehr hilfreich, einen ähnlich gesonnenen Partner in Europa zu haben. Da man selbst ja schon genug mit Frieden schaffen in Afghanistan, im Irak und anderen, moralisch fragwürdigen Ländern zu tun hatte, trat die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung „für die Freiheit“ auf den Plan. Sie schaffte es, den amtierenden Präsidenten Manuel Zelaya auf den Thron zu hieven. So weit, so gut. Schließlich soll die Welt liberal gestaltet sein. Doch was macht dieser Parvenü, kaum dass er eine Weile regiert? Er zwingt die arme Bevölkerung von Honduras in die ALBA! Ja, genau, die ALBA, Alternativa Bolivariana para las Américas, eine Organisation wider den American Way Of Life! Inbegriff des falschen, politischen Denkens auf dem amerikanischen Kontinent. Prompt wird der Mann von bösen Putschisten aus seinem Amt entführt. Eigentlich ja aus seinem Schlafzimmer, aber weg ist weg.

Doch was jetzt? Schließlich hatte man den Mann ja selbst installiert, oder installieren lassen… Hmmh. Schwierig. Also fordern die USA, die EU, die UN, und weiß-der-Henker-wer-noch in der westlichen Welt, die Rückkehr des, wie es heißt, demokratisch gewählten Präsidenten. Dumm nur, dass die sich selbst als Alternative andienende Figur des Putsches, Roberto Micheletti, auch noch selbstlos den Rückzug aus der ALBA anbietet… Ob da ein Gespräch Michelettis, damals noch Parlamentsvorsitzender seines Landes, mit dem außenpolitischen Sprecher der FDP, Werner Hoyer, im November des Jahres 2008 eine vorbereitende Rolle gespielt hat? Nun wird Zelaya die Einreise verweigert, die OAS, Organisation Amerikanischer Staaten, schließt Honduras erst einmal aus ihrem Verbund aus. Das wiederum dürfte besonders die EU freuen, denen Ärger vor der Haustür des großen Bruders nicht ungelegen kommt, strebt man doch länger schon selbst wieder der Sonne entgegen. Zugleich ist man natürlich wenig erfreut über den Misserfolg Zelaya, dem ehemaligen Musterliberalen nach FDP-Gusto.

Es drängt sich der Vergleich mit ewig hungrigen Schakalen auf. Diese lauern abwartend am Rande des Konfliktes, um sich über die erschöpfte Restbevölkerung herzumachen. Und auch über jeden anderen Beteiligten dieses vielschichtigen Konfliktes. Anscheinend ist es für die angeschlagenen, immer mehr in der öffentlichen Kritik stehenden, Groß- und Supermächte zu riskant, sich abermals politisch zu sehr zu exponieren. Es wird gewartet. Belauert.

Wechseln wir für eine kleine Weile den Ort des Geschehens. Ein anderes Land, weitgehend deckungsgleiche Protagonisten. Iran. Eine weitere Weltregion, welche bereits sehr lange umkämpft ist. Die USA sorgten für Wirtschaftssanktionen, ein absolut fiktives Bild dieses Landes in westlichen Köpfen, und taten auch sonst genug, um die Region so instabil wie es nur eben ging zu halten. Die BRD hingegen hatte noch nie etwas gegen gesunden Export. Am liebsten von Waffen. Spionageausrüstung ist aber auch gut. Nur drüber reden wollte, und will, man seitens der Regierung nun mal nicht. Ist ja auch verständlich. Schließlich handelt es sich ja um einen Schurkenstaat. Das sagen uns jedenfalls unsere wichtigsten Verbündeten, die USA. Nun ist die Lage jedoch eine andere als einige Jahre zuvor. denn die BRD ist souverän. Und eins ist gewiss: Eine Großmacht ist Deutschland auf jeden Fall. Dass Siemens der offiziell verantwortliche Leiter des russischen Atomprogramms ist, zivil wie militärisch, ist nur ein Beleg dafür. Die Russen wiederum finden Iran gar nicht so schlecht. Die brauchen nämlich auch einen vernünftigen Binnenmarkt, und da die EU zum einen zu selbstständig, arrogant und, noch, pro-amerikanisch ist, und zum anderen die Nato ihre Einkreisungstaktik Russlands weiter vorantreibt, ist Iran da keine schlechte Partnerwahl. Aber man muss noch ein wenig abwarten, wie es in naher Zukunft weiter geht, bevor Russland diese Option auch voll nutzen kann.

Bei Vergegenwärtigung dieser Skizze wird deutlich, wie brüchig die tradierten Bündnisse im Westen, und nicht nur da, tatsächlich sind. Wird der Abschwung der USA noch ein wenig rasanter, stehen mehr als genug Staaten und Staatenbündnisse in den Startlöchern, um sich auf das Erbe zu stürzen. Dass einem Großteil dieser anderen Staaten ebenfalls die eigene Substanz, unbemerkt und ignoriert, durch die Finger rinnt, potenziert die Gefahr globaler Auseinandersetzungen noch zusätzlich. Statt sich also auf gemeinsame Werte und Vorstellungen zu fokussieren, sich gegenseitig Wirtschaftshilfe zu leisten, Kriege zurückzufahren, um das fragile Machtgefüge nicht noch weiter zu strapazieren, werden innenpolitisch im Westen wieder die Stahlhandschuhe angezogen, die Visiere zugeklappt, und das auf allen Seiten. Selbst auf denen, die noch keiner (er-)kennt. Wie immer, wenn es daran geht, der eigenen Schwäche ins Gesicht zu schauen. Die Flucht nach vorn traut sich noch keiner so richtig. Geschunden werden erst einmal die eigenen Bürger, sozusagen als vorbereitende Übung für das anstehende Restefressen der Schakale. Es wird gewartet. Belauert. Obacht.


4 Kommentare bis jetzt
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Mindestens zwei Menschen – darunter auch ein 16-jähriger Junge – starben am Sonntagnachmittag in Honduras, als die Armee am internationalen Flughafen der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa das Feuer auf regierungstreue Demonstranten eröffnete

mehr:
http://direkteaktion.over-blog.de/article-33525777.html

Kommentar von Benno

Hallo zusammen! Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich diese `direktaktion` nicht gut heißen kann, da keinerlei sachliche Aussage erkennbar ist. Polemik kann klasse sein…aber da müßte schon ein wenig mehr kommen. Grundsätzlich soll jedoch hier die Möglichkeit gegeben sein, auch solche Dinge zu diskutieren.
Gruesse, Der Verhinderte.

Kommentar von verhinderter

Nachtrag: Meine Ablehnung bezieht sich auf diese Form des `Köders`, nicht auf die Aktion als solches. Missverständlich formuliert, sorry.
Gruesse, Der Verhinderte.

Kommentar von verhinderter

Ist globale Kommunikation nicht was Tolles? Endlich weiß ich, was am anderen Ende der Welt vor sich geht, obgleich sich mir persönlich die Zusammenhänge selten erschließen.
Ich bewundere Menschen, die in der Lage sind, solche Zusammenhänge globaler Natur zu erkennen und ihre Schlüsse daraus zu ziehen, aber ich muss gestehen, dass ich sie nur selten wirklich beneide. Denn mal ehrlich: Ich sitze hier in meiner Kleinstadt vor den Rechner und das einzige was ich tun kann, ist das, was ich eh seit jeher tue: auf keinen Fall FDP wählen.
Die Erkenntniss, welche Mechanismen mit welcher Zielsetzung hinter diesem Konflikt stehen, hilft die Augen zu öffnen für Vergleichbares.
Im Grunde bleibt einem nur, das Gelernte zu verstauen und bei Bedarf an zu wenden, denn wirklich darüber nachdenken, geschweige denn es auf die ethisch – moralische Waage legen, darf man es nicht.
Was bleibt ist eine Art medizinische Betrachtungsweise, die gesund ist für den Seelenfrieden: Der Furunkel als Symptom und was passiert, wenn er platzt?

Kommentar von Eva




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